Zusatzmaterial zur Sendung von Samstag, 15.05.2010

Funkkolleg Religion und Gesellschaft

Mein Glaube gehört mir - Religion in der Selbstbedienungsgesellschaft

Von Gitta Marnach
(Wh. am Sonntag, hr-info/8.35 Uhr)


Ab dem Nachmittag des 14.05.2010 finden Sie den Podcast zur Sendung hier.

 

„Aus den Religionen nehme ich für mich das heraus, was mir hilft“ – dieses Bekenntnis steht für einen Trend, der nicht nur in der esoterischen Szene, sondern auch mitten in den Kirchen zu beobachten ist. Patchwork- oder Bastelreligion heißt das in der Sprache der Religionssoziologen, Bezeichnungen, die der Pastoraltheologe Michael Zulehner als zu abwertend empfindet. Er spricht dagegen lieber von „Religionskomponisten“, die sich nach dem Bedeutungsverlust religiöser Institutionen auf die spirituelle Suche gemacht haben. Wo auch immer sich der Einzelne religiös verortet, ablehnend oder zustimmend, ein Zurück zu unbefragt übernommenen Traditionen gibt es nicht mehr. Es ist vielmehr ein Kennzeichen moderner Gesellschaften, dass sich jeder in allen Bereichen des Lebens eigens entscheiden muss.

 

Material:

 

Paul M. Zulehner, Pastoraltheologe, im Gespräch mit Ursula Nusser

Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner ist ein Vordenker in der Katholischen Kirche. Er begeisterte sich für das Zweite Vatikanische Konzil, musste miterleben, wie sich die Reformeuphorie verflüchtigte und versucht dennoch beharrlich, die Kirchenentwicklung voranzutreiben - nach der Devise „Aufbrechen oder untergehen“.

 

Krise als Chance

Die katholische Kirche in Deutschland erleidet eine tief greifende Krise. Priester-, Geld- und Mitgliedermangel sind unübersehbar. In der Folge wird mit Hilfe teuer angekaufter betriebswirtschaftlicher Intelligenz der Kirchenbetrieb heruntergefahren und ökonomisiert. Reicht das? Was sind die Alternativen? Paul M. Zulehner plädiert für einen Umbau, der Kirche nicht totspart, vielmehr lebens- und zukunftsfähig macht. Sein Programm lautet: Übergang gestalten, statt Untergang verwalten!

 

 

 

Esoterik - ein soziales Problem

Esoterik avanciert in unserer säkularen Welt zu einer Art Ersatzreligion, die durchaus lukrativ ist. Allein Esoterikbücher erbrachten 2007 in Deutschland einen Umsatz von 500 Millionen Euro - ein Marktanteil von 15 Prozent. Warum fallen die Heilsversprechungen von Astrologen und Naturheilern auf so fruchtbaren Boden?

 

Einpendeln: Esoterik

Weshalb wenden sich immer mehr Menschen der Esoterik zu? Hält Esoterik etwa, was Religion verspricht? Oder geht es hier eher um Egotrips Richtung eigener Bauchnabel? Das Stationen.Magazin hat sich bei Menschen umgesehen, die pendeln, wahrsagen, Karten legen. 

 

"Sinnsuche"

'Sinnsuche' ist das große Thema des Stationen.Magazins. Unter anderem geht es in der Sendung um die Frage, weshalb sich immer mehr Menschen der Esoterik zuwenden. Hält Esoterik, was Religion verspricht, oder geht es hier eher um Egotrips Richtung eigener Bauchnabel?

 

Weiterleben, Wiedergeburt, Rückkehr ...? Vorstellungen vom "Danach"

Während sich einerseits viele moderne, aufgeklärte Europäer vom christlichen Auferstehungsglauben distanzieren, tritt seit circa zweihundert Jahren vermehrt eine unbestimmte Ahnung vom jenseitigen Leben in Erscheinung. Sei es der grausame rumänische Graf Vlad Tepes, der als untoter Dracula sein Unwesen treibt, sei es Frankensteins Monster, seien es Zombies oder Cyborgs in vom Voodoo oder Science-Fiction beeinflussten Darstellungen – immer wieder jagen derlei Geschichten dem Leser oder Zuschauer wohlige Schauer über den Rücken.