Zusatzmaterial zur Sendung von Samstag, 08.05.2010

Funkkolleg Religion und Gesellschaft

Hat Gott Humor? Religion und Satire

Von Arne Kapitza
(Wh. am Sonntag, hr-info/8.35 Uhr)


Ab dem Nachmittag des 07.05.2010 werden Sie den Podcast zur Sendung hier finden.

 

Lachende Götter sind für die Alten Griechen oder Hindus selbstverständlich. Jüdischer Humor ist weltbekannt. Christenmenschen sind überwiegend fröhlich, und in der islamischen Welt wird ebenso viel gelacht wie anderswo.
 
Der Streit um dänische Mohammed-Karikaturen und auch die von christlichen Kirchenvertretern angestrengten Prozesse über lästerliche Szenen in Filmen oder auf Theaterbühnen zeigen, dass die Satire auch in religiösen Dingen nicht „alles“ (Tucholsky) darf. Satiriker wie Robert Gernhardt und Bruno Jonas sowie der Religionswissenschaftler Christoph Peter Baumann berichten in der Sendung, wo sie die Grenzen ziehen.

 

Material:

 

Norwegisches Blatt druckt Mohammed-Karikaturen

Nach dem Angriff auf den dänischen Karikaturisten Westergaard hat die norwegische Zeitung "Aftenposten" dessen umstrittene Mohammed-Zeichnung und weitere Bilder erneut abgedruckt. Die Mohammed-Karikatur sei wahrscheinlich der Grund für die Gewalttat gewesen, erklärte die Chefredakteurin des Blatts in Oslo. Deshalb habe man es noch einmal veröffentlicht, um den Lesern zu zeigen, worum es in der gegenwärtigen Debatte gehe. In der vergangenen Woche war ein 28-jähriger Somalier in Westergaards Haus eingedrungen und hatte ihn mit einer Axt und einem Messer bedroht. Gegen den Mann wurde inzwischen Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.

 

Massendemonstrationen gegen Mohammed-Karikaturen

In der islamischen Welt weiten sich die Proteste gegen die zunächst in einer dänischen Zeitung veröffentlichen Mohammed-Karikaturen aus. In Teheran versammelten sich nach dem Freitagsgebet einige hunderttausend Menschen, um gegen die Karikaturen zu demonstrieren.

 

Dänische Zeitung "Politiken" entschuldigt sich für Mohammed-Karikaturen - Kritik von der Politik

Muss man sich für den Abdruck einer Mohammed-Karikatur entschuldigen? Diese Frage beschäftigt derzeit die dänische Öffentlichkeit.Anlass ist ein sogenannter "Vergleich" zwischen der Zeitung "Politiken" und acht muslimischen Organisationen. In der Vereinbarung bedauert das Blatt, dass der Abdruck einer Karikatur des Propheten Mohammed Muslime in Dänemark und anderen Ländern gekränkt habe. Die Entschuldigung sorgt für Verärgerung in Teilen der dänischen Öffentlichkeit und der Politik: Sprecher der Sozialdemokraten und der Sozialisten erklärten, die Meinungsfreiheit sei nicht verhandelbar. Politiken-Chefredakteur Tøger Seidenfaden verteidigt den Schritt: Er solle dazu beitragen, das Verhältnis Dänemarks zur muslimischen Welt wieder zu verbessern. Außerdem habe er keinesfalls zugesagt, die Karikatur nie wieder zu veröffentlichen.

 

Meinungsfreiheit oder Blasphemie

Erleichtert hat der dänische Regierungschef Rasmussen auf die Entschuldigung der Tageszeitung "Jyllands Posten" reagiert - doch die Auseinandersetzung über die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed dürfte damit noch nicht ausgestanden sein. Noch immer stehen die Boykottdrohungen der islamischen Welt im Raum. Und auch innenpolitisch hat sich das Klima im Zeichen der Zuwandererdebatte noch einmal deutlich verschärft.

 

Streit um Mohammed-Karikaturen als Folge der Globalisierung

Eberhard Sandschneider, Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), hat den Streit um die Mohammed-Karikaturen als Folge der Globalisierung bezeichnet. Die Globalisierung könne auch gesellschaftliche Veränderungen in Richtung Selbstzensur mit sich bringen, sagte Sandschneider im Deutschlandradio Kultur.

 

 

Viel Jesus um Titanic

(16. April) Das Cover des Satire-Magazins Titanic, auf dem ein katholischer Priester sich dem Unterleib des gekreuzigten Jesus zuneigt, empört viele Katholiken. Sie sehen ihre religiösen Gefühle verletzt. Da sind sie nicht die ersten, wie sich Alice erinnert - und ihre verletzten Gefühle jetzt auch mal raus lässt.

 

Keine Panik auf der "Titanic"

Die Satire-Zeitschrift "Titanic" wird nicht wegen ihres umstrittenen April-Titelblattes verklagt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte die Einleitung eines Strafverfahrens ab. Die Vorwürfe der "Volksverhetzung" und der "Beschimpfung von Bekenntnissen" seien nicht haltbar. Die "Titanic" hatte den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufgegriffen und einen Priester abgebildet, dessen Kopf sich auf Höhe des Genitalbereichs des gekreuzigten Jesus befindet und diesen verdeckt. Gegen das Titelblatt waren auch beim Deutschen Presserat zahlreiche Beschwerden eingegangen. Der entscheidet Ende Mai über eventuelle Maßnahmen.

 

Rückschau: 30 Jahre "Titanic" - Das Flaggschiff des deutschen Humors

Das Satire-Magazin "Titanic" hat womöglich die Fußball-WM nach Deutschland geholt. Die Autoren sind die öffentlichen Ruhestörer eines selbstzufriedenen Deutschlands. Das Magazin, das berühmt berüchtigt dafür ist, Satire nicht nur zu drucken, sondern mit Satire Druck zu machen, wird 30. So lange kann man nur komisch bleiben, wenn man es wirklich ernst meint.

 

"Satire hat nur eine einzige Grenze"

Der Zeichner, Autor und Gründer der Satirezeitschrift "Titanic", Robert Gernhardt, hat seit einer Woche ein Déjà-vu: Der Karikaturenstreit erinnert ihn fatal an die 60er Jahre, als die Kirchen sich mit heftigen Protesten gegen das zeitgenössische Kino wandten. Im Gespräch mit tagesschau.de sagt Gernhardt, worin sich die Situationen damals und heute unterscheiden - und warum es keine Debatte über Karikaturen geben kann, in der man das Objekt des Streits nicht zeigt.

 

Worüber Gläubige lachen können

Dass Humor in religiösen Dingen eine heikle Angelegenheit sein kann, haben uns die Ausschreitungen nach den dänischen Mohammed-Karikaturen gezeigt. Zwei Bücher denken nun über das Verhältnis von Humor und Religion nach. Wolfram Weimer stellt eine Sammlung Karikaturen mit religiösen Themen zusammen, Christoph Peter Baumann versucht den religionswissenschaftlichen Überblick.