Zusatzmaterial zur Sendung von Samstag, 27.02.2010

Funkkolleg Religion und Gesellschaft

Tanz ums Goldene Kalb: Kapitalismus versus kirchliche Soziallehre

Von Conrad Lay
(Wh. am Sonntag, hr-info/8.35 Uhr)


Ab dem Nachmittag des 26.02.2010 werden Sie den Podcast zur Sendung hier finden.

 

Der Münchener Erzbischof Reinhard Marx geißelt die Auswüchse des Turbokapitalismus, der Frankfurter Sozialethiker und Jesuit Friedhelm Hengsbach kritisiert soziale Kälte und Massenarbeitslosigkeit. Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber fordert ein Einschreiten gegen Geldgier und zerstörerische Gewinnsucht in der Wirtschaft. Es sind harsche Worte, die die Kirchenoberen - ob katholisch oder evangelisch - finden, wenn sie die christliche Soziallehre auf Gegenwartsprobleme beziehen. Ausgehend von einem christlichen Menschenbild fasst die kirchliche Sozialethik die Normen des Zusammenlebens der Menschen zusammen. Danach ist jeder Mensch ein „Ebenbild Gottes“ und besitzt als Person genauso eine unantastbare Würde wie vom Schöpfer verliehene „Grundrechte“. Die wertgebundenen Grundsätze beider christlicher Konfessionen betonen die soziale Verantwortung und stehen in scharfem Gegensatz zum Shareholder-value-Kapitalismus.

 

Material:


60 Jahre Grundgesetz: 1. Provisorium ohne Verfallsdatum

Die westlichen Alliierten hatten im Sommer 1948 Fakten geschaffen und Deutschland aufgeteilt. Dem faktischen Zustand musste jetzt der rechtliche Rahmen gegeben werden - das Grundgesetz.

Provisorium ohne Verfallsdatum - Der Beitrag zum Nachhören

 

Moderne Mythen: Eigentum

Das Recht auf Eigentum soll Freiheit verwirklichen. Der Eigentümer soll sicher sein können, unbehelligt von anderen sein Rechtsgut nutzen zu können. "Leben, Freiheit und Eigentum" - so lautete deshalb der Schlachtruf der freiheitsliebenden Engländer des 17. Jahrhunderts und ihrer "glorreichen Revolution".

Moderne Mythen: Eigentum - Der Beitrag zum Nachhören

 

 

Am Tisch mit Friedhelm Hengsbach, "Soziales Gewissen"

Er ist ein unermüdlicher Streiter für Soziale Gerechtigkeit: Friedhelm Hengsbach, Jesuit, ehemals Lehrer an der Hochschule St. Georgen bei Frankfurt.

 

"Folgen des kommunistischen Systems nicht überwunden"

In Fulda ist die Pfingstaktion des katholischen Hilfswerks "Renovabis" zu Ende gegangen. Unter dem Motto "Heimatlos. Mitten in Europa" wiesen die Organisatoren auf das Schicksal von 60 Millionen Menschen hin, die wegen militärischer oder ethnischer Konflikte ihre Heimat verlassen mussten.

 

Am Tisch mit Helga Dieter, „Friedensstifterin“

Helga Dieter arbeitet an einem gigantischen Projekt des Komitees für Grundrechte und Demokratie: „Ferien vom Krieg“ heißt es. Hier werden Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche organisiert aus den Kriegs- und Krisengebieten des Balkans, aber auch für junge Israeli und Palästinenser.

 

Michael Best "Kapitalismus reloaded"

In seinem Buch "Kapitalismus reloaded" erklärt der ARD-Börsenexperte Michael Best, was wir aus der Finanzkrise lernen können und wohin wir nach dem Debakel steuern müssen. Dazu ein hr1-Interview zum Nachhören.

Ein Jahr Finanzkrise - Gespräch mit Michael Best

 

Marjana Schott (Linke): "Armut ist Produkt aus Marktwirtschaft und Kapitalismus"

Schott ist froh, dass die Regierungskoalition endlich einsehe, wie dringend ein Armutsbericht ist. Traurig sei, dass die Armut der Grund für die Dringlichkeit ist.

Marjana Schott: "Armut ist Produkt aus Marktwirtschaft und Kapitalismus"

 

Friedlicher Protest in den Mai

Hunderte Menschen haben am Vorabend des 1. Mai in Frankfurt gegen den Kapitalismus demonstriert. Die Polizei hatte den Protestzug mit einem Großaufgebot begleitet - und sprach am Ende von einem "angenehmen Einsatz".

Mai-Demo ohne Zwischenfälle

 

"Genannt Gospodin" von Philipp Löhle

"Den Kapitalismus an den Eiern packen!" Keine leichte Aufgabe, die Gospodin sich da vorgenommen hat, doch sie macht ihn zu einem glücklichen Menschen.

 

 

Reinhard Marx: Die Soziallehre als moralischer Kompass

Erzbischof Reinhard Marx empfiehlt die katholische Soziallehre als wirksames Mittel gegen die Finanzkrise. Mit den Rahmenbedingungen des Staates und wenn sich jeder Einzelne tugendhaft verhalte, funktioniere die Marktwirtschaft, so Marx im Münchner Presseclub.

 

Erzbischof Marx
Aufruf zu Frieden und Zuversicht

Der katholische Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, hat am Heiligen Abend an die Gläubigen appelliert, trotz weltweiter Krisen nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken.


Bischof Marx: Wir müssen uns neu aufstellen

Der Bischof von Trier und Gastgeber des Katholikentages, Reinhard Marx, hat die katholische Kirche zu mehr sozialpolitischem Engagement aufgerufen. Er wünsche sich, dass der Katholikentag der sozialen Bewegung innerhalb der Kirche einen neuen Impuls gebe, sagte Marx. Themen wie die Menschenwürde und die Überwindung von Armut und Ungerechtigkeit gehörten in die Mitte des Glaubens, betonte der Bischof.

 

Sozialforscher wirft Kirchen Versagen in Wirtschaftskrise vor

Der Professor für christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik, André Habisch, sieht ein Versagen der Kirchen bei der Bewältigung der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise.

 

Sozial-Enzyklika kritisiert die Gierigen
Benedikt XVI. hält moralische Standpauke

Einen Tag vor dem G8-Gipfel in Italien hat Papst Benedikt die lange erwartete Sozial-Enzyklika veröffentlicht. In seinem dritten Lehrschreiben mit dem Titel "Caritas in Veritate" fordert der Papst zahlreiche Änderungen für mehr soziale Gerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft.

 

"Die Grundrechte sind etwas Wertvolles"

Viele Linke taten sich in der Frühzeit der Bundesrepublik schwer mit dem Grundgesetz. Sie sahen ungebrochene Linien zum Dritten Reich und misstrauten dem Staat und seiner Verfassung. Zu ihnen zählte auch der heutige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele. tagesschau.de fragte ihn nach seiner heutigen Haltung zum Grundgesetz.

 

Sind Europas Grundrechte nichts wert?

Ein wichtiges Hindernis für das Inkrafttreten des EU-Reformvertrages ist überwunden:
Tschechien bekommt vom EU-Gipfel eine Ausnahmeklausel, weil es befürchtet hatte, der Vertrag und die in ihm verankerte EU-Grundrechtecharta ermögliche Rückgabeansprüche von Sudetendeutschen.
Die waren nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage der berühmt-berüchtigten Beneš-Dekrete enteignet und aus ihrer Heimat in der Tschechoslowakei vertrieben worden.