Zusatzmaterial zur Sendung von Samstag, 20.02.2010

Funkkolleg Religion und Gesellschaft

Kopftuch, Kreuz und Minarett – Glaubensstreit im öffentlichen Raum

Von Hajo Goertz
(Wh. am Sonntag, hr-info/8.35 Uhr)


Ab dem Nachmittag des 19.02.2010 werden Sie den Podcast zur Sendung hier finden.

 

Nach Angaben des zentralen Islam-Archivs mit Sitz im westfälischen Soest gibt es inzwischen in Deutschland gut zweihundert Moscheen; viele laden die jeweilige Nachbarschaft zu Tagen der Offenen Tür ein, um über ihre Aktivitäten und den Islam zu informieren. Doch fast überall, wo neue islamische Gebetshäuser gebaut oder geplant werden – in Köln, in München oder in Frankfurt-Hausen – entsteht Unmut unter den deutschstämmigen Bürgerinnen und Bürgern. Letztlich geht es dabei um die Religionsfreiheit, die das Grundgesetz der Bundesrepublik zu den unveräußerlichen Grundrechten rechnet. Ein weiterer Streitpunkt in unserer multikulturellen Gesellschaft ist religiös motivierte Kleidung. Bringen Lehrkräfte religiöse oder weltanschauliche Bezüge in Schule und Unterricht ein, kann dies den in Neutralität zu erfüllenden staatlichen Erziehungsauftrag, das elterliche Erziehungsrecht und die negative Glaubensfreiheit der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen. Inzwischen haben zahlreiche Bundesländer ein Kopftuchverbot erlassen. Wie steht es hingegen um Kreuze in Klassenzimmern staatlicher Schulen? Dies kann religiöse Schüler motivieren, es kann aber auch Schüler stören, die einer anderen Religion angehören oder Atheisten sind. Ob beim Bau neuer Moscheen, beim Kopftuchverbot oder der Auseinandersetzung um Kruzifixe in Schulen – fast immer wird der Streit hochemotional und wenig differenziert geführt.

 

Material:


Politische Bildung: Das Kopftuch

In der Sendung berichten türkische Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben, über ihre Einstellung zum "Kopftuchgebot".
 
Dabei kommen Mädchen zu Wort, die sich bewusst für das Kopftuch entschieden haben, sowie eine Familie mit drei Töchtern, die diese religiöse Tradition ablehnt.

 

Mohammeds Schwestern: Deutsche Frauen konvertieren zum Islam

Fatima hieß vor zehn Jahren noch Brigitte. Heute trägt die 35-jährige Deutsche Kopftuch und plädiert für Toleranz und Frauenrechte.
 
Während die christlichen Kirchen über Mitgliederschwund klagen, wächst die islamische Gemeinde in Deutschland stetig. Auch immer mehr Deutsche wechseln den Glauben. Etwa 100.000 bekennen sich zum Islam, mehr als die Hälfte davon sind Frauen.

 

Frauen & Islam: Der Versuch, optimistisch zu sein

In dem Lied "Ouech dek yal qadi?" - "Was ist los mit dir, Richter?"- beklagen die Sängerinnen das frauenfeindliche Familiengesetz in Algerien. Frauenorganisationen haben das Lied produziert.

Frauen & Islam - Der Beitrag zum Nachhören

 

 

 

Nach Anschlag auf Moschee
Fassungslosigkeit in der Gemeinde

Zwei Tage nach dem Brandanschlag auf eine Moschee in Stadtallendorf fehlt noch jede Spur von den Tätern. Die türkisch-islamische Gemeinde ist verunsichert.

Ermittlungen nach Anschlag auf Moschee

 

Neuer Bebauungsplan soll Moschee verhindern

Im Streit um den Bau einer Moschee in Schlüchtern droht eine neue Auseinandersetzung vor Gericht. Die Stadt will das Gebäude der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde mit einer Änderung des Bebauungsplanes verhindern.


"Tag der offenen Moschee"
Muslime suchen das Gespräch

In ganz Deutschland öffnen am Montag die Moscheen für Besucher ihre Pforten. Auch in Hessen findet in den muslimischen Gotteshäusern der „Tag der offenen Moschee“ statt.

 

Roth diskutiert mit Moschee-Gegnern

Eine geplante Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen sorgt seit Wochen für Zündstoff. Bei einer Info-Veranstaltung will sich Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) heute Abend einer Diskussion mit aufgebrachten Bürgern stellen.


Die Angst vor dem Islam - nur in der Schweiz ein Problem?

Die Schweizer wollen keine Minarette in der Schweiz. Das Ergebnis der Volksabstimmung vom Sonntag ist deutlich. 57,5 Prozent der Schweizer haben sich für das Bauverbot von Minaretten ausgesprochen.

Die Angst vor dem Islam - ein rein schweizerisches Phänomen?

 

Von der Orientverklärung zum Feindbild

Die Klischeevorstellungen von Islam und Muslimen haben eine lange Geschichte. Die Sendung macht an literarischen und historischen Beispielen (Karl May, Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, Flauberts Orientreise) klar, wie das Andere - und damit das Eigene - konstruiert wurde.

 

Kritik aus Hessen an Minarett-Verbot

Das Schweizer Votum gegen Minarette hat auch in Hessen Diskussionen ausgelöst. Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und andere bedauerten die Entscheidung. Verständnis äußerte Bundes-Banker Thilo Sarrazin.

 

Hessen bauen Riesen-Moschee

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Algier ging es am Donnerstag nicht nur um Erdöl und Wirtschaft, sondern auch um eine neue Moschee - die drittgrößte der Welt. Gebaut werden soll sie von zwei hessischen Büros.

Ein neues Wahrzeichen für Algier

 

Bischöfe planen Erklärung zu Moscheen

Die katholischen Bischöfe wollen eine gemeinsame Erklärung zum Bau von Moscheen in Deutschland abgeben. Über den genauen Text soll bei der am Montag in Fulda beginnenden viertägigen Bischofskonferenz beraten werden.

 

Jörg-Uwe Hahn (FDP): "Eine Lehrerin darf kein Kopftuch tragen"

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Jörg-Uwe Hahn hätte sich mehr Klarheit durch das Urteil des Staatsgerichtshofes gewünscht. Das Kopftuchverbot für Lehrerinnen werde aber ausdrücklich begrüßt.

 

Kopftuchverbot auch für Schülerinnen ?

Die CDU-Frauenunion will auch Schülerinnen das Tragen des Kopftuchs verbieten. Der CDU im hessischen Landtag geht das aber zu weit.

 

Kopftuchverbot auf dem Prüfstand

Ist das Kopftuchverbot für hessische Beamtinnen rechtens? Mit dieser Frage hat sich am Mittwoch der hessische Staatsgerichtshof befasst. Die Entscheidung fällt erst im Herbst.

Ohne Kopftuch ins Amt?

 

Juristen haben große Bedenken

Ist das geplante Verbot des Kopftuchs für Lehrerinnen in Hessen tatsächlich verfassungskonform? Warum darf eigentlich eine muslimische Finanzbeamtin kein Kopftuch tragen? Um diese Fragen ging es am Mittwoch in einer Anhörung im Landtag.

 

Frauen-Union fordert umfassendes Verbot - Kritik von der FDP

Die hessische CDU-Frauenunion will ein Kopftuchverbot auch für Schülerinnen und Studentinnen. Mit diesem bei anderen Parteien umstrittenen Vorschlag wagt sich die Frauenunion sehr weit vor. Und wird von der hessischen FDP scharf kritisiert.

 

 

Sprechstunde in der Moschee

Kaum ein Bürger mit Migrationshintergrund hat bisher die Bürgermeister-Sprechstunde in Herzogenrath besucht. Das will die Stadt nun ändern und hat die Sprechstunde kurzerhand in die örtliche Moschee verlegt.

Bürgermeister geht in die Moschee [WDR aktuell]

 

Grünes Licht für Kölner Moschee

Der Streit um den Bau einer Moschee in Köln ist vorbei: Am Donnerstagabend (28.08.08) stimmte eine Mehrheit des Kölner Rates für den Bau des Gebäudes im Stadtteil Ehrenfeld. Vor dem Rathaus hatte es zuvor Demonstrationen von Befürwortern und Gegnern des Moscheebaus gegeben.

Streit um Moscheebau geht in die letzte Runde [WDR aktuell]
Kölner Moschee: Entscheidung nach langer Diskussion [WDR 2]

 

Moschee - nein Danke?

Ömer Akbulut hatte einen Traum. Er wollte in Wertheim eine Moschee bauen: ein "ästhetisch schönes Gebäude mit Minarett". Doch der ehemalige Sprecher des islamischen Vereins scheiterte - an einer Bürgerinitiative, am Stadtrat und an den eigenen Vereinsmitgliedern.

 

Moschee, nein Danke!

In den siebziger Jahren werden im schmucken nordbadischen Wertheim dringend neue Arbeitskräfte für die wachsende Glasindustrie benötigt. Man wirbt Gastarbeiter aus der Türkei an, mit ihnen kommt der Islam. Mittlerweile lebt die zweite und dritte Generation der Türken in Wertheim. Die Stadt ist vielen zur Heimat geworden. Ihr Wunsch, ihren Glauben in einer »angemessen« Umgebung praktizieren können wächst. Eine neugebaute Moschee mit Minarett und Kuppel soll die Bisherige, die sich in einem heruntergekommenen Fabrikgebäude befindet, ersetzen. Doch die Vorstellung des Anblicks eines islamisches Gotteshauses ist vielen Wertheimern zu viel.

 

Schweizer stimmen für Minarett-Verbot

In der Schweiz dürfen in Zukunft keine Minarette mehr gebaut werden. Mit der Mehrheit von 57,5 Prozent nahmen die Schweizer bei einer Volksabstimmung eine entsprechende Initiative an. Das Ergebnis kam für die meisten Parteien sowie die Regierung völlig überraschend. Die Wahlbeteiligung war mit rund 54 Prozent unerwartet hoch. Bei zwei weiteren Abstimmungen entschieden die Schweizer, dass der Export von Waffen erlaubt bleibt und die Einnahmen aus der Kerosinsteuer neu verteilt werden.

 

Beschwerde gegen Minarett-Verbot in Straßburg

Das in der Schweiz in einer Volksabstimmung beschlossene Bauverbot für Minarette kommt vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Der frühere Sprecher der Genfer Moschee, Ouardiri, reichte gestern eine Beschwerde gegen den Volksentscheid vom 29. November ein. Das teilte sein Anwalt mit. Ouardiri vertrete die Ansicht, dass das Verbot gegen die Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot verstößt. Der Schweizerische Bundesrat und alle Mitglieder des Europarats seien über den Schritt informiert worden.

 

München - Kirchturm statt Minarett

"Das Wunder von Marxloh" heißt ein Film über einen repräsentativen Moschee-Bau im gleichnamigen Stadtteil von Duisburg. Dort errichtete man 2008 ein großes islamisches Gotteshaus im traditionellen islamischen Stil - im Einvernehmen aller bedeutenden gesellschaftlichen Gruppen vor Ort.

Muslime in München: Moriskentänzer und Kriegsgefangene [Das interkulturelle Magazin]

 

Das Minarett im Dorf lassen?

Die Minarett-Initiative war die 563ste Konsultation des Schweizer Volks seit 1848, aber sie war doch deutlich mehr als bloß Routine. Das zeigte sich sowohl an der hohen Wahlbeteiligung als auch am überraschenden und überraschend deutlichen Ergebnis.

Das Minarett im Dorf lassen?