Zusatzmaterial zur Sendung von Samstag, 06.02.2010
Funkkolleg Religion und Gesellschaft
Fundamentalismus und Moderne - Religion als politischer Faktor
Von Ulrike Köppchen
(Wh. am Sonntag, hr-info/8.35 Uhr)
Ab dem Nachmittag des 05.02.2010 werden Sie den Podcast zur Sendung hier finden.
Jahrhundertelang war es eine Selbstverständlichkeit, dass religiöse Institutionen und Gruppen einen erheblichen Machtfaktor darstellten, dass etwa Päpste genauso wie weltliche Herrscher die Geschicke der Politik bestimmten. Genauso selbstverständlich schien es bis vor kurzem, dass in einer säkularisierten Welt Religion bestenfalls noch für den privaten Bereich taugt. Umso überraschender ist es, mit welcher Macht in jüngster Zeit religiöse Gruppen wieder auf die politische Bühne drängen, und zwar in Form einer „militanten Frömmigkeit“, wie die britische Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong den Fundamentalismus bezeichnet hat: Nicht nur im Islam, in allen großen Religionen haben sich fundamentalistische Bewegungen formiert: Sie lehnen die Errungenschaften der liberalen Moderne ab und träumen von einer religiös bestimmten „perfekten Gesellschaft“ - manche mit der Waffe in der Hand. Nicht erst sei den Anschlägen vom 11. September 2001 sind diese Fundamentalisten ein ernst zu nehmender Faktor, der Politik und Wissenschaft beschäftigt: Wie lässt sich das Aufkommen solcher Bewegungen erklären, warum finden sie solchen Zulauf und sind sie wirklich so „unmodern“, wie es auf den ersten Blick erscheint?
Material:
Texte des Terrors - Analysen islamischer Kampfansagen
Al-Qaida, Terrorismus und Fundamentalismus werden als Begriffe oft synonym verwandt und gleichgesetzt mit Geheimbund, Verschwörung und Fanatismus. Doch viele Texte des Netzwerks Al-Qaida sind nicht geheim, sondern im Internet öffentlich zugänglich.
Zum Podcast geht es hier.
Zwischen Spiritualität, Sozialarbeit und Weltethos. Welche Theologen braucht das Land?
Der Papst wird bejubelt wie ein Popstar, der Kirchentag als spirituelles Happening – das 21. Jahrhundert erlebt offenbar die "Wiederkehr des Religiösen". Doch nicht erst seit "wir Papst sind" ist das Thema Religion in die gesellschaftlichen Diskussionen zurückgekehrt.
Zum Manuskript der Sendung geht es hier.
Katholischer Fundamentalismus: Pfadfinder auf Abwegen
Wenn vom Fundamentalismus die Rede ist, denken wir an islamische Gotteskrieger. Aber auch Fundamentalisten in der katholischen Kirche rüsten zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen. Sie rekrutieren Kinder und Jugendliche – besonders gern durch Freizeitangebote – und unterstützt von Priestern, Ordensleuten und hochrangigen Kirchenmännern im Vatikan. Eine Schattenkirche, die sich hinter dem harmlosen Namen "Katholische Pfadfinderschaft Europas" verbirgt. Unsere Spurensuche beginnt im österreichischen St. Pölten in diesen Tagen wegen eines Sex-Skandals in den Schlagzeilen. St. Pölten ist aber überdies Heimat eines fundamentalistischen Katholizismus. Da tummeln sich obskure Bewegungen; Sekten mit braunem Anstrich. Ein Bericht von Georg Restle über ein Netzwerk, dass das Licht der Öffentlichkeit scheut.
Wer ein Haus baut, stellt es auf eine sichere Grundlage, ein Fundament. Auch viele Religionen haben ein Fundament, das die Grundlage für ihren Glauben bildet: Eine 'Heilige Schrift', in denen die Worte und Anweisungen des jeweiligen Gottes überliefert sind. Für die Christen ist dieses Fundament die Bibel, für die Juden die Thora und für die Muslime, so nennt man die Anhänger des Islam, der Koran.






